Die letzten beiden Jahre war und bin ich hautsächlich Trainer und in Teilbereichen Berater gewesen. Es ging und geht dabei vor allem um hybris, das eCommerce Framework, welches seit 2014 zu SAP gehört, und um Clean Code Development bzw. Test Driven Development.

Am liebsten bin ich jedoch Trainer und zwar in der Form, dass ich einer Gruppe von Leuten anhand einer Kata neue Techniken und Entwurfsmuster zeige. Diese praktische Art der Vorführung überzeugt meiner Meinung nach viel mehr als der bloße Power Point Präsentationsvortrag, der für viele Themen aber unabdingbar ist.

Wenn ich gefragt werde, warum ich das so offensichtlich gerne mache, antworte ich meist, mich einfach gerne selbst zu hören. Das ist sicherlich ein Grund, aber in der Retrospektive meines bisherigen beruflichen Lebens fiel mir ein anderer Zusammenhang auf und diesen möchte ich hier mal zur Disposition stellen.

In der Zeit von 1991 bis einschließlich 1997, also über einen 7-jährigen Zeitraum, war ich als Student der Mathematik in allen mir zur Verfügung stehenden Freizeiten als Rettungssanitäter für das Bayrische Rote Kreuz, Regensburg, unterwegs. Dabei habe ich sehr viele Facetten des Lebens kennengelernt, die ich bis heute nicht missen möchte.
Wenn man als Sanitäter unterwegs ist, erhält man über Funk oder Telefon den Auftrag, entweder zu einem Notfall oder zu einem Krankentransport zu fahren. Man hat dann über einen gewissen Zeitraum, meist unter zwei Stunden mit einer oder mehreren Personen zu tun, denen man in irgendeiner Weise zum Teil sehr, sehr hilfreich ist. Man rettet Leben, lindert Schmerzen oder Beschwerden oder hilft einem Menschen über einen meist unangenehmen Transport zum Krankenhaus mit guter Laune und Verständnis hinweg. Ganz wichtig ist bei dieser Arbeit eine hohe Professionalität, die vor allem, wenn sie fehlt, durch entsprechend selbstsicheres Auftreten „vorgespielt“ werden sollte, weil alles andere den Patienten meist nur verunsichert.

Ich kann heute rückblickend behaupten, darin nicht schlecht gewesen zu sein. Häufig habe ich bei Auseinandersetzungen zwischen oftmals Betrunkenen sehr beruhigend und deeskalierend gewirkt, umgekehrt in Situationen, in denen Menschen sich panisch verhalten durch klare Anweisungen Stabilität reingebracht oder Menschen, die außerhalb der „norm“ zu sein schienen, das Gefühl von Verständnis oder Normalität zurückzugeben.
Wenn ich dann den Patienten im Krankenhaus abliefern konnte, war ich oft sehr froh, mit diesem Patienten nun nicht noch die nächsten Tage oder Wochen zu tun zu haben, bis sein Zustand stabil genug war und er entlassen werden konnte.
Im Gegenteil habe ich sogar die Arbeit des Pflegepersonals sehr bewundert, die mit einer Engelsgeduld die oft schwierige und manchmal ausweglose Situation einzelner Patienten jeden Tag aufs Neue handeln und behandeln konnten. Viel zu schlecht wird diese ganze Zunft für ihren Einsatz bezahlt.

Damit möchte ich nun aber zu meinem aktuellen Job als Trainer zurückkommen und die Parallelen ziehen.

Im Training habe ich es für eine oftmals kurze Zeit mit einer Gruppe von Teilnehmern zu tun, die verunsichert, ahnungslos, was auf sie zukommt, und häufig auch zweifelnd in meinen Schulungen sitzen und wissen, dass dieses Wissen, was ihnen hier in kurzer Zeit eingeflößt wird, später in ihrem Berufsalltag evtl. eine große Rolle spielen muss.
Wie beim Notfalleinsatz ist es auch hier sehr wichtig, dass bei den Teilnehmern eine innere Ruhe und Akzeptanz hergestellt und großes Vertrauen aufgebaut wird, vor allem in meine Kompetenz. Andernfalls werden mir die Teilnehmer ziemlich schnell nicht mehr folgen und im schlechtesten Fall das Neuerlernte nicht akzeptieren bzw. nicht aufnehmen.

Ich muss dies natürlich nur über einen kurzen Zeitraum oder häppchenweise leisten und das kann ich gut.

Anschließend kommen die Teilnehmer in ihr Projekt und erleben dort häufig auch viel Frustration und die gute Show, die sie in meinen Schulungen erlebt haben, ebbt natürlich ab und kann nun eben nicht jeden Tag aufrecht erhalten werden. Neben Langeweile und Alltagstrott herrscht vor allem tagtägliche Routine. Manche können mit dieser Routine hervorragend umgehen und sind so ausgeglichen, wie man es als guter Krankenpfleger sein sollte, damit die oftmals trostlose Projektsituation nicht zu sehr auf den Magen schlägt und die Gesamtsituation noch mehr verschlechtert.

Ich dagegen genieße es, manchmal jede Woche neue Leute kennenzulernen, mich ihren Fragen und Nöten zu stellen und die Wendigkeit und Flexibilität in den fachlichen Gesprächen mitzubringen, die notwendig ist, um Vertrauen zu schaffen.
Das bedeutet nicht, dass ich für eine länger laufendes Projekt ungeeignet bin, aber ich neige dazu, mich durch die Routine zu Langeweile und Unkonzentriertheit bis hin zu sogenannten „unforced errors“ hinreißen zu lassen. Im Streß der Schulung und Beratung passiert mir dies wesentlich seltener.

Abschließend ergibt sich also das Bild: Ohne die Ärzte und das Pflegepersonal des Krankenhauses gäbe es sicherlich keine Genesung und Heilung, aber in ausweglosen Situation des täglichen Lebens freut man sich sehr, zu wissen, dass es Sanitäter gäbe, die einem blitzschnell helfen und beistehen könnten und so ist es mit Entwicklern und Projektleitern einerseits und Trainer und Beratern andererseits.

Würde mich interessieren, ob ihr meine Sicht der Dinge teilt oder ob euch dieser Vergleich missfällt. Kommentare sind erwünscht.

Trainerjob

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